Messebericht

Rezension: Der Gerechte von John Grisham

Cover: Heyne

Autor: John Grisham
Originaltitel: Doubleday
Verlag: Heyne
Seitenanzahl: 416
Erscheinungsjahr: 2016
Preis: eBook 18,99 € | Hardcover 22,99 €
Genre: Justiz

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Vielen lieben Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

Inhalt:

Sebastian Rudd ist geschieden, ein miserabler Vater und Anwalt. Er übernimmt die Fälle, die niemand sonst will – egal, wen, egal, was, egal, welche Drohungen ihn daran hindern wollen.
Sein Büro ist ein kugelsicherer Van, sein Bodyguard die einzige Hilfe.

Meine Meinung:

Der Klappentext ist sehr vielversprechend, aber wenn ich ehrlich bin, hab ich einen Roman mit zusammenhängendem Thema erwartet. Stattdessen bekommt man viele verschiedene Fälle in mehr oder minder Kurzgeschichten serviert. Etwas, das man von Grisham nicht so wirklich kennt. Es gibt einen durchläufigen roten Faden, Sebastian selbst, und jede Geschichte wird aufgelöst und auch nachher wieder erwähnt, sodass man merkt, dass einiges parallel läuft.

Sebastian Rudd ist ein interessanter Charakter, von dem ich gerne mehr lesen würde. Wenngleich auch nicht unbedingt von seiner Mixed Martial Arts – Leidenschaft. Die hat für meinen Geschmack zu viel Platz eingenommen. Aber die Fälle sind durchwegs interessant und typisch Grisham: kritisch wird das Rechtssystem unter die Lupe genommen, von einem Anwalt, der selbst nicht mehr so recht daran glaubt.
Wenn man mitbekommt, dass ein unschuldig Angeklagter trotz aller Gegenbeweise als Todeskandidat gehandelt wird, muss man schon einmal schlucken – wohlwissend, dass das nicht nur reine Fiktion ist. 

Dank des gewohnt flüssigen Schreibstils des Autors fliegt man durch die Fälle und als es dann auch noch persönlich wird, fiebert man als Leser mit und hofft auf eine gute Auflösung. Die es allerdings nicht immer gibt. Mehr möchte ich eigentlich gar nicht verraten, um nicht zuviel vorab zu nehemn.

Ich hoffe einfach, dass es mit Sebastian Rudd weitergeht – aber dann vielleicht mit einem richtig durchgängig erzählten Roman. So ganz hat mir die Erzählweise trotz allem nicht zugesagt.

Fazit:

Der Gerechte Sebastian Rudd

 
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Rezension: Anklage von John Grisham

Cover: Heyne Verlag

Autor: John Grisham
Originaltitel: Gray Mount
Verlag: Heyne
Seitenanzahl: 512
Erscheinungsjahr: 201
Preis: eBook 8,99 € | Hardcover 22,99 €
Genre: Justiz

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Mein Dank gilt Heyne für das Rezensionsexemplar!

Inhalt:

Samantha Kofer ist eine New Yorker Anwältin und hat große Pläne hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft. Pläne, die durchkreuzt werden, als sie plötzlich auf der Straße steht. Man bietet ihr an, sie auf der Warteliste zu halten, wenn sie ehrenamtlich tätig wird. So verschlägt es sie in das Kaff Brady, wo sie auf einmal mit Menschen arbeiten und deren Leid ertragen muss …

Meine Meinung:

Ein neuer Grisham und der erste, den ich gelesen habe, in dem eine Frau die Hauptrolle spielt. 
Samantha ist ehrgeizig, hat einen festgesteckten Lebensplan und ist nur auf ihre Karriere fixiert. 100 Stunden in der Woche langweile Dinge zu bearbeiten sind der Preis, den sie zahlen muss. Bis sie arbeitslos wird und in Virginia das Leid anderer zu spüren bekommt.

In Brady ist nicht nur die Armutsrate recht hoch, sondern es ist auch ein Kohleabbaugebiet, in dem rücksichtslose Konzerne die Natur und die Menschen ausbeuten. Und darum geht es größtenteils in diesem Roman: Kohle, wie sie abgebaut wird und wie einzelne Menschen dagegen ankämpfen. 
An sich könnte man dieses brisante Thema sicher spannend verpacken, nur leider wiederholt sich Grisham oft. Man bekommt die Tragweite dessen nicht ausreichend zu spüren, was es heißt, gegen die Mühlen der Justiz zu kämpfen. Stattdessen schiebt er viele kleinere Fälle ein, mit denen sich Samantha beschäftigt – und im Nachhinein betrachtet, war das wohl gut so, denn gerade diese menschlichen Tragödien gingen nah und retten somit das Buch.

Denn die Menschen dort waren echt, greifbar, während Protagonistin Samantha blass und beinahe unsympathisch wirkt. Auch zum Rest der Charaktere fällt es schwer, eine Verbindung aufzubauen, so toll ihre Ziele und Antriebe auch sind. Mattie, die die Law Clinic betreibt und somit mittellosen Menschen kostenlos hilft, Donovan, der gegen die Kohleunternehmen kämpft oder auch sein Bruder – alle bleiben farblos. Keiner der Schläge, die Grisham einbaut, trifft einen, denn warum auch? Man ist schließlich nur ein Zuschauer. 
Man fühlt sich in Brady nicht heimisch, ich hatte gehofft, dass einem die Bewohner durch irgendwelche Kleinstadtepisoden wie zu Beginn nähergebracht werden. Man ist nicht dort. 
Man fühlt sich dort ebensowenig wohl wie Samantha, ein Punkt, der das Ende fast ins Lächerliche zieht. Sie hätte sich ändern können, hätte einem ans Herz wachsen können, doch die Möglichkeiten wurden einfach nicht ausgeschöpft, vermutlich aus Angst, ins Klischeehafte zu driften.
Ich bin gespannt, wie er das weiterführen will, denn seine neue Heldin überzeugt in keinster Weise – vielleicht sollte er bei den männlichen Akteuren bleiben. 

Die Geschichte ist interessant, zeigt einen Dinge auf, die man nicht kennt, die einen entsetzen, und bietet auch Spannung – aber es ist verschenktes Potenzial, man hätte soviel mehr draus machen können.

Fazit:

BlasseCharaktere in grauer Umgebung

 

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Rezension: Die Erbin von John Grisham

Die Erbin von John Grisham
Cover: Heyne

Autor: John Grisham
Originaltitel: Sycamore Row
Teil 2 der Jake Brigance-Reihe
Verlag: Heyne
Seitenanzahl: 704
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: eBook 8,99 € | Hardcover 24,99 €
Genre: Justiz

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Vielen herzlichen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 
Inhalt:

Jake Brigance schlägt sich mehr schlecht als recht durch’s Leben, denn drei Jahre nach dem spektakulären Hailey-Prozess lässt der Ruhm nach. Bis sich Seth Hubbard erhängt, seine Kinder enterbt und fast alles seiner 24 Millionen Dollar seiner Haushälterin Lettie vermacht – die schwarz ist. Ein Skandal in Ford County und Jake mittendrin, denn Hubbard hat ihn als seinen Anwalt bemächtigt. Doch warum sollte er in letzter Sekunde sein Testament ändern?

 
Meine Meinung:

Ich habe mich sehr gefreut, als ich hörte, dass eine „Fortsetzung“ zu „A Time to kill“ in Arbeit ist. 
Natürlich ist es keine Fortsetzung an sich, denn die Geschichte um Carl Lee Hailey kam natürlich zu einem Ende. Aber es bedeutet eine Rückkehr nach Clanton, zu Jake Brigance, seiner Familie, zu Ozzie, Lucien, Harry Rex und allen anderen.

Ich war etwas skeptisch, da wieder ein Rassenkonflikt im Raum stand, hatte die Befürchtung, dass sich alles wiederholen würde, Weiße gegen Schwarze, der Ku-Klux-Klan mittendrin, andererseits ist Ford County und gerade Jake Brigance prädestiniert für so einen Fall. Zu meiner Freude ist es keine Wiederholung, Grisham hat es anders aufgebaut, natürlich mit viel Misstrauen, aber solches, das auch eine weiße Frau betreffen hätte können.

Überhaupt ist „Die Erbin“ so ganz anders wie „Die Jury“. Man kennt die alten Beteiligten, fühlt sich auf den ersten Seiten gleich heimisch, wenn Ozzie Walls erscheint – es ist wie ein Wiedersehen mit alten Freunden, aufgemischt mit neuen, interessanten Charakteren, die man schnell ins Herz schließt.
Doch es passiert weniger als im Vorgänger. 
Wenn ich ehrlich bin, müsste die Zusammenfassung lauten: Mann bringt sich um, vererbt den größten Teil seiner Haushälterin, Kinder fechten das Testament an, Anwälte erscheinen, Anwälte kämpfen, Auflösung – fertig. Als ich die letzte Seite zugeschlagen hatte, dachte ich wirklich: was ist da jetzt eigentlich groß passiert? Dennoch kam ich nicht vom Buch weg, war gefesselt, fühlte mich wohl, wollte wissen, was passiert. Mittendrin legte Grisham eine Fährte, die auf Action hinwies, welche aber ins Leere lief. Ob mich das freuen oder ärgern soll, weiß ich nicht.

Leider war die Auflösung zu einfach gestrickt, ich wusste recht bald, warum Seth sein Vermögen Lettie vermachte, so war das Ende nur eine Bestätigung – die mich trotzdem fast zu Tränen gerührt hat.

Niemand versteht es besser als Grisham, trockene Juristerei spannend zu erzählen. Er würzt sie mit Charakteren, die man ins Herz schließt, denen man gerne in den Gerichtssaal folgt, gibt Einblicke, die auf den ersten Blick langweilig erscheinen, die er aber unheimlich interessant wiedergibt. Das beweist er in „Die Erbin“ wieder einmal, zeigt, dass nicht immer „Spannung“ im üblichen Sinne da sein muss, um den Leser zu fesseln und zu unterhalten. Ich habe es mehr als genossen.

Fazit: 

Wiedersehen mit alten Freunden

 

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Rezension: Das Geständnis von John Grisham

Das Geständnis von John Grisham
Cover: Heyne Verlag

Autor: John Grisham
Originaltitel: The Confession
Verlag: Heyne
Seitenanzahl: 528
Erscheinungsjahr: 2011
Preis: eBook 8,99 € | Taschenbuch 9,99 €
Genre: Justiz

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Inhalt:

Topeka, Kansas: Reverend Keith Schroeder erhält Besuch vom kürzlich entlassenen Sexualstraftäter Travis Boyette. Was dieser ihm berichtet, erscheint unmöglich: vor 9 Jahren habe Boyette in Sloan, Texas, die 17jährige Nicole Yarber entführt, mehrfach missbraucht und anschließend umgebracht und vergraben. Doch ein anderer wurde für die Tat zum Tode verurteilt, der Schwarze Donté Drumm, die Hinrichtung findet in 4 Tagen in Texas statt. Mit diesem Geständnis beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…

Meine Meinung:

Ein neuer Grisham, der unheimlich spannend klang – es war klar, dass ich ihn (wie die meisten anderen auch), haben musste. Und er sollte mein erster englischsprachiger Grisham werden.

Das Thema Fehlurteile im Schatten der Todesstrafe ist natürlich sehr brisant, Unschuldige im Knast versauern zu lassen ist schon schlimm genug, aber einem unschuldigen Menschen das Leben zu nehmen – eine grausame Vorstellung. Dieses Themas nimmt sich Grisham sanft, aber bestimmt an.

Gefühlvoll zeigt er, wie es der Familie von Donté und auch ihm selbst ergeht, lässt aber gleichzeitig die Familie des Opfers nicht außen vor, die auch nach 9 Jahren keinen Frieden gefunden hat und voller Hass auf den Mörder ihrer Tochter blickt, fast davon aufgefressen wird. Es gab wirklich Szenen, bei denen ich schlucken musste, so nah ging es mir, wenn z.B. der Anwalt Flak seinen Mandanten in der letzten Stunde vor der Hinrichtung besucht oder aufgezählt wird, wie Donté die 9 Jahre in der Todeszelle verbrachte.

Dem gegenüber der Kampf des Anwalts Robbie Flak, der sich nicht nur juristisch sondern auch emotional voll engagiert. Wenn er das System anprangert, in dem der Staatsanwalt und die Richterin ein Verhältnis hatten oder es eindeutige Hinweise gibt, dass das Geständnis Donté erzwungen wurde, dann wird man wütend. Sehr wütend.

Was für ein System ist das, in dem jemand ohne Leiche, mit unter Druck erstandenen Geständnis (das kurz darauf natürlich widerrufen wurde) und mit geheimen Absprachen zum Tode verurteilt wird, nur weil 2-3 Leute meinen, dass die Person schuldig ist? Grauenhaftes Szenario, denn: wenn man einmal in dieser Situation ist, kommt man schwer wieder raus, und Grisham beweist, dass dies kein Klischee ist.

Da ist es nur verständlich, dass man kein Mitleid mit dem kranken Täter Boyette hat, der tagelang seine Spielchen mit dem Reverend treibt und so Zeit vergeudet, die dringend gebraucht wird. Aber auch, dass er anfangs nicht ernst genommen wird, als jemand dargestellt wird, der nur Aufmerksamkeit will, ist erschreckend. Gibt es wirklich Personen, die versuchen, sich bei Hinrichtungen in den Mittelpunkt zu stellen?

Die Rassenauseinandersetzungen zwischen Weißen und Schwarzen der Stadt Sloan wirken da auf mich ein wenig unpassend, unwichtig, auch etwas klischeehaft. Das Thema hatte er in „A Time to Kill“ schon, hier wirkt es überflüssig, fast ein bisschen störend, wenn auch das Opfer weiß und der mutmaßliche Täter schwarz war. Aber ich finde die Geschichte um Donté wichtig, die Ausschreitungen wirkten da fast, um ein bisschen „Action“ hineinzubringen.

Grisham ist ein spannender, aber auch trauriger und erschreckender Roman über die Todesstrafe gelungen, mit überzeugenden Charakteren, die man mag oder verabscheut. Er hat es geschafft, mich zu berühren und schlucken zu lassen, hat dabei aber nicht das ein oder andere Klischee ausgelassen. Grisham zeigt, was er kann und verbindet es mit seiner Ansicht über die Todesstrafe.

Fazit:

Ein Plädoyer gegen die Todesstrafe


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