… über das vergangene Jahr

Posted: 10/22/2017

Vorab: Dieser Text ist sehr privat und ich habe lange überlegt, ob ich ihn wirklich veröffentlichen soll. Manch einer wird sich denken, das hat hier nichts zu suchen. Mag sein. Aber es ist mein Blog, auf dem es um mein Leben geht. Und dieses Leben hat sich über das vergangene Jahr hinweg sehr verändert. Und vielleicht erklärt euch das manches Verhalten meinerseits. Vielleicht sogar animiert es euch, auch in eurem Leben etwas zu ändern. Denn genau das ist es: Euer Leben.

Tattoo It's my life am Handgelenk

Es ist nun genau 366 Tage her, seit ich entschlossen habe, dass sich in meinem Leben etwas ändern muss. In vielerlei Hinsicht.

Ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, hat mir gezeigt, dass ich so nicht weiterleben will. Nicht will und nicht kann. Ich war 27 Jahre alt und unglücklich. Unglücklich im Job und mit meiner Familie.

Lange Zeit habe ich alles unterdrückt und geschluckt. Ich führe eine tolle Beziehung, die mir viel gibt und die viel aufgefangen hat. Nun kann man sagen, Liebe ist alles, was zählt. Und ich gebe zu, hätte ich die Liebe von Mr. Miller nicht, hätte ich schon längst das Handtuch geworfen. Doch so hat er alles abgefangen, mir Kraft gegeben, alles durchzustehen. Bis ich erkannt habe, dass es falsch ist, für andere alles auszustehen. Dass ich es wert bin, auch mal nein zu sagen. Zu sagen, dass ich nicht mehr will.

Und das habe ich dann getan: Ich habe gesagt, dass ich nicht mehr will. Dass es so nicht weitergeht.

Das vergangene Jahr und die Änderungen

Ich habe Teile meiner Familie aus meinem Leben geschmissen oder zumindest so gut wie. Mit meiner Mutter unterhalte ich mich noch zivilisiert, denn man kommt nicht aneinander vorbei, auch wenn ich es möchte. Mit meinem Onkel hingegen habe ich seit einem Jahr kein Wort gewechselt. Es war nicht leicht, denn ich zog damit meine ganze Familie hinein. Mein Opa (nach Mr. Miller der wichtigste Mensch in meinem Leben, der Mann, der mich mit meiner Oma großgezogen hat) leidet am meisten darunter, doch er versteht mich und hält zu mir. Auch zahle ich einen hohen Preis dafür, da damit leider unweigerlich der Kontakt zu anderen zerbrach, die gar nichts dafür können. Aber wenn das der Preis für meinen Frieden ist, bezahle ich ihn, auch wenn’s wehtut. Man bekommt im Leben nichts geschenkt …

Zusätzlich zu den privaten Problemen habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Job begeben. Obwohl ich meine Arbeit lange Zeit sehr gerne gemacht habe, ging der Spaß daran immer mehr verloren, bis ich letztendlich nur noch meine Zeit absaß. Ich ging mit Bauchgrummeln zur Arbeit, verrichtete sie und verließ sie wieder. Das habe ich gemerkt, das haben die Kunden gemerkt. Es gab nur wenige Augenblicke, in denen ich wieder aufblühte wie früher. Die Gründe dafür? Es würde zu weit gehen, das auszuführen, ich kann nur sagen, dass ich oft versucht habe, etwas daran zu ändern, es sich aber nicht ändern ließ. Es funktionierte ein paar Wochen, dann verfiel alles wieder in alte Muster. Und so sollte es Jahr um Jahr weitergehen? Hergott, ich war 27, nicht kurz vor der Rente. Nein … Also tat ich den Schritt und schrieb Bewerbungen. Der Jobmarkt sah (und sieht) mies aus, aber bei drei Bewerbungen wurde ich zu zwei Vorstellungsgesprächen eingeladen. Dabei zu einem Probearbeiten, was mir gut gefallen hat. Hätte ich eher in die Firma eintreten können, hätte ich den Job vermutlich gehabt. So ging ich leer aus, auch wenn man mich für spätere Angebote gerne im Hinterkopf behalten wollte.

Doch was will ich überhaupt?

Genau das in Ruhe rausfinden. Ich wollte nicht den erstbesten Job nehmen, nur um etwas zu haben und dort vielleicht genauso unglücklich zu werden. Ich wollte schreiben. Weiter für Amrûn arbeiten. Also bewarb ich mich nach vielen Grübeleien  bei der Künstlersozialkasse und wurde tatsächlich aufgenommen. Bis Juli 2018 würde ich den Mindestbeitragsatz als Berufsanfänger zahlen, danach musste ich ein Standbein haben oder ich fliege raus. Ich hatte also über ein Jahr Zeit, mir eine Auszeit zu nehmen und sie zum Schreiben zu nutzen. Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen mit Mr. Miller kündigte ich im März meinen Job und bezog mein Home Office. Klingt gut, oder? Arbeiten, wann man mag, für die Arbeit bezahlt werden, nebenbei das tun, was man will. Ich fühlte mich endlich frei, merkte, dass sich mein Leben änderte. Daher baute ich auch meinen Blog um und passte ihn diesem neuen Leben an.

Das Ergebnis war, dass ich wesentlich mehr gearbeitet habe als früher (was für Selbstständige normal ist). War ich nicht für den Verlag tätig, schrieb ich und nebenbei arbeitete ich am Blog. Der Start verlief holprig. Viel zu tun im Verlag, viel zu viele Dinge im Hinterkopf, die das Schreiben blockierten. Aber es machte mir Spaß und ich fühlte mich mehr wie ich selbst. Zusätzlich zu meinen eigenen Büchern übernahm ich die Herausgeberschaft der Zombie Zone Germany und stellte mich damit einer weiteren Herausforderung. Je mehr Zeit verging, desto besser ging es mir und alles pendelte sich ein.

Unverhofft kommt oft

Anfang September machte ich mich an einem Freitag gerade zu meinem täglichen Schreiballtag bereit, als mein Handy klingelte. Eine unbekannte Nummer. Normalerweise gehe ich da nicht dran, aber irgendwie … Ich hob ab.

Fünf Minuten später hatte ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch am nächsten Tag.
Die Firma, in der ich im Dezember zum Probearbeiten war, hatte den Inhaber gewechselt und suchte nun eine Bürokraft. Mehr wusste ich nicht. Weder worum es konkret ging noch ob ganz- oder halbtags – gar nichts. Ich kramte meine Bewerbungsklamotten raus und hielt sie Mr. Miller entgegen, als er von der Arbeit kam. Auch er wurde aufgeregt und fragte mich, was ich tun würde, wenn sie mir einen Job anböten. Ich hatte keine Ahnung … Mein neues Leben gefiel mir, ich hatte es gerade erst begonnen und noch einige Monate Zeit, ehe ich mir Gedanken um etwas anderes machen musste. Die Zeit wollte ich ausnutzen, um zu schreiben. Dennoch befiel mich eine gewisse Unruhe.

Samstagmorgen um 11 Uhr stand ich in der Firma, vor mir ein nettes, junges Ehepaar, das mir einen Job fürs Büro anbot. Tolle Arbeitszeiten, super Gehalt, interessante Aufgaben – und das ganze fünf Minuten von mir zuhause entfernt. Der ehemalige Chef hatte mich empfohlen und sie wollten mich. Keine Nacht darüber schlafen, ich konnte den Job haben. Ich hörte auf meinen Bauch und sagte zu.

Drei Tage später unterschrieb ich den Vertrag, ehe ich für drei Wochen in den Urlaub flog – und genau einen Tag nach der Heimkehr in der Firma anfing.

Dieser erste Tag ist morgen drei Wochen her. Ich fühle mich dort sehr wohl, habe tolle Kollegen und eine abwechslungsreiche Arbeit. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen und fühle mich eigentlich gar nicht mehr wie die Neue. Ein Teil von mir sucht noch nach dem Haken, denn nichts im Leben ist so gut. Vielleicht kommt der Fall, vielleicht nicht. Ich weiß es nicht. Das kann man nie wissen. Doch momentan habe ich das Gefühl, angekommen zu sein. In gewisser Weise auch wieder atmen zu können. Ich muss keine Zukunftsängste mehr haben, was nach dem Juli 2018 kommen würde. Ich kann meine freie Zeit auch einfach mal wieder als das nutzen: freie Zeit. Denn ich muss nicht arbeiten und schreiben, um Geld zu verdienen. Doch das merkte ich erst, als ich im Urlaub darüber nachdachte, was sich ändern würde: Ich würde wieder ein „normales“ Leben führen.

So ist es jetzt: Früh einen guten Job, der Spaß macht, nachmittags Zeit zum Schreiben und für den Verlag und meinen Blog, abends meinen Liebsten neben mir. An manchen Abenden fahre ich zu meinem Opa und verbringe weiterhin viel Zeit mit ihm. Alles ist so, wie es sein sollte.

Das vergangene Jahr hat mir viel gebracht

Ich habe mich geändert, gemerkt, dass negative Dinge in meinem Leben keinen Platz haben. All die Jahre hatten mich so viele Dinge so weit nach unten gezogen. Und ich habe es geschehen lassen. Habe mich nicht gewehrt, um anderen nicht wehzutun. Habe stattdessen mir wehtun lassen. Immer und immer wieder. Die Zeiten sind vorbei, ich bin nicht mehr bereit, alles hinzunehmen und alles zu schlucken. Wer mir nicht guttut, hat keinen Platz in meinem Leben. Auch bin ich nicht mehr bereit, mich ausnutzen zu lassen. Immer die Gute zu sein, die stets da ist, wenn man sie braucht – aber wenn ich jemanden brauchte, war niemand da.

Alles ist ein Geben und ein Nehmen (warum muss ich nur an Joeys Hochzeitsrede in Friends denken?) und ich gebe wirklich gerne. Doch nur noch bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin auch etwas wert. Und es ist mein Leben. Ich muss glücklich sein und nicht andere auf meine Kosten glücklich machen.

Vor knapp eineinhalb Jahren habe ich mir ein Tattoo stechen lassen, das mir genau das sagen sollte. Und in gewisser Weise hat es das alles vielleicht eingeläutet. Ich trage es am Handgelenk und es erinnert mich jeden Tag daran, dass ich für mein Leben verantwortlich bin – niemand sonst. Natürlich habe ich Rückschläge und bin nicht immer stark. Man schmeißt seine Mutter nicht einfach so aus seinem Leben. Doch geht es mir ohne besser. So traurig das klingt und eigentlich auch ist.

Das einzige, was jedoch zählen sollte, ist eines: Ich bin glücklich. Nicht nur in einer Hinsicht, sondern in vielen. Und an den anderen Punkten, an denen es noch nicht so ist, arbeite ich. Ich bin dabei, die Prioritäten in meinem Leben neu zu setzen. Und dafür nehme ich mir die Zeit, die ich brauche. Rom wurde auch nicht in einem Jahr erbaut …

 

 

6 Comments

  • Manuela Hahn 10/22/2017 at 15:45

    Hach, was soll man dazu jetzt sagen, wärest du hier und hättest mir das alles erzählt, hätte ich dich in den Arme genommen, ordentlich geknuddelt und gratuliert.
    Du machst alles richtig.

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    • Phoebe 10/22/2017 at 15:59

      Danke, liebe Manuela ❤️️
      Ich denke auch, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Zumindest arbeite ich dran 😉
      Liebe Grüße und danke für deine Worte!

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  • Markus 10/22/2017 at 16:31

    Also ist immer noch wichtig: „Mach dein Dingen!“ Weiterhin alles Gute für die Zukunft. ❤😘

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    • Phoebe 10/22/2017 at 18:54

      Danke, Markus!
      Ich denke, das ist immer wichtig. Und ich habe ja etwas, das mich daran erinnert 😉
      Liebe Grüße

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  • Mara Becker 10/22/2017 at 17:10

    Mutiger Schritt, aber der richtige Weg. Wir beide sind nicht nur Maiköniginnen und haben den selben Namen, sondern auch einen ähnlichen Lebensweg. Sei stolz darauf, egal was andere sagen, denn nur Du weißt, was wichtig und richtig für Dich ist.

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    • Phoebe 10/22/2017 at 18:55

      Hallo Mara,

      das hast du sehr schön gesagt! <3 Ich habe viel zu lange darauf geachtet, nun bin ich mal an der Reihe. Es heißt nicht, dass ich egoistisch bin, sondern dass ich einfach auf mich achte, was ich vorher nicht getan habe.

      Danke für deine Worte <3

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