Filmkritik zu We need to talk about Kevin in orangenem Filmrolle

Filmkritik: We need to talk about Kevin

Posted: 07/04/2022

Fast drei Jahre ist es her, dass ich hier was gepostet habe und nach dem Ansehen von We need to talk about Kevin hat es mich seitdem das erste Mal wieder gekitztelt, etwas zu schreiben. Mal sehen, ob ich’s noch kann …

Inhalt:

Eva Khatchadourian hat für ihre Familie ihr Leben als Reisejournalistin aufgegeben und ist von ihrem geliebten New York aufs Land gezogen, damit ihr Sohn Kevin behütet aufwachsen kann. Doch anfreunden kann sie sich mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter nicht, besonders, da Kevin sie zu hassen scheint. Ihrem Mann Franklin gegenüber verhält Kevin sich zugewandt und freundlich, ihr versucht er das Leben zur Hölle zu machen. Doch nichts bereitet sie auf das Blutbad vor, das ihr Sohn an seiner Schule anrichtet – und sie als Mutter zur Schuldigen macht.

Cover von We need to talk about Kevin mit Tilda Swinton und John C. Reilly
Cover: Fugu Filmverleih

Originaltitel: We need to talk about Kevin
Studio: Fugu Films
Produktionsland: England, USA
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: 95 Minuten 
FSK: 18 
Regie: Lynne Ramsay
Darsteller: Tilda Swinton, John C. Reilly, Ezra Miller, Jasper Newell, …
Genre: Drama, kontrovers

 

Meine Meinung:

Wow. Mehr fiel mir nach der Sichtung nicht erstmal nicht ein. Das Thema Amoklauf lässt einen natürlich schon harte Kost erwarten, aber was man hier serviert bekommt, ist die Darstellung einer schwierigen Mutter-Sohn-Beziehung. Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf der Tat an sich, sondern wie es dazu hatte kommen können. Wer die Schuld an der Tat eines 16jährigen trägt. Er selbst? Seine Gene? Oder doch die Erziehung?

Ein Spiel mit den Zeiten

Der Film erzählt das Leben von Eva nach der grausamen Tat ihres Sohnes, geprägt von Demütigung, Einsamkeit und Selbstbestrafung, und skizziert in Rückblenden das Erwachsenwerden von Kevin in wichtigen Ereignissen. Und das alles aus der Sicht von Eva, wodurch man sich unweigerlich fragt: ist das so passiert oder hat sie es für sich nur so empfunden? Empfindet Kevin wirklich den Hass, wie Eva das meint, oder projiziert sie ihre negativen Gefühle auf ihn? Eva ist nicht die geborene Mutter, trauert ihrem alten Ich nach, den Reisen, der Freiheit. Und der Grund, warum sie das nicht mehr hat, ist Kevin. Seine Geburt hat alles verändert.

Tilda Swinton neben afrikanischer Maske in We need to talk about Kevin
Szenenbild: Fugu Filmverleih

Fehlende Mutterliebe oder psychopathisches Kind?

Eva zeigt dem Zuschauer ihr Leben vor Kevin, die leidenschaftliche Beziehung zu Franklin, die zur Schwangerschaft geführt hat, ihre eher ambivalenten Gefühle während dieser und auch während der Geburt, wo ihr zugerufen wird, dass sie loslassen soll. Eine Parabel zum Loslassen ihres alten Lebens.

Ein Kind, das ständig schreit, beim Vater aber ruhig ist. Der von ihr ungewollte Umzug vom pulsierenden New York ins ländliche. Und wie unzufrieden sie in ihrer Rolle als Mutter ist, wie ihre Erwartungen enttäuscht werden. Und doch auch die Muttergefühle ihrem Sohn gegenüber, wenn er sich krank an sie schmiegt, und ein Lächeln ihr ganzes Gesicht erstrahlen lässt.

Doch auch die vielen Konfrontationen mit ihrem Sohn, der sich ihrer Nähe und ihren Wünschen verweigert, der sie provoziert, sodass es einmal sogar in einem Gewaltakt endet. Ihre Beziehung mit Franklin, die an ihrer Paranoia Kevin gegenüber leidet. Die zweitgeborene Tochter, die von ihrem Bruder drangsaliert wird.

Ist ihr Sohn ein Psychopath oder liegt es an ihren Wahrnehmungen? Sieht sie, deren Sohn ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist, etwas in ihm, dass nicht da ist?

Tilda Swinton mit Jasper Newell in We need to talk about Kevin
Szenenbild: Fugu Filmverleih

We need to talk about Kevin ist schwere Kost

Es ist schwerer Stoff, der einem in We need to talk about Kevin vorgesetzt wird. Jedoch in virtuosen Bildern festgehalten, die einen in ihren Bann ziehen und bis zum Ende nicht mehr loslassen. Oscarpreisträgerin Tilda Swinton spielt grandios auf und auch die drei  Darsteller des Kevin (u.a. Ezra Miler, auch bekannt als Creedence aus Phantastische Tierwesen und dem DC-Universum) bereiten einem Gänsehaut mit dem kalten Blick und dieser frappierenden Ähnlichkeit zu ihrer Filmmutter. Dieser Film verursacht in der Tat Beklemmungen, was von den teils abrupt einsetzenden Musiktiteln nur noch verstärkt wird.

Es ist ein Kammerspiel zwischen Mutter und Sohn, das letztendlich zu einem grausamen Blutbad führt – aber ich bin positiv überrascht, dass der Film sich nicht auf die Tat selbst fokussiert, sondern auf das Davor und Danach. Denn ich glaube, nur dort sind Antworten auf die so häufig gestellte Frage „Warum“ zu finden.

We need to talk about Kevin gehört zu den Filmen, die durch ihre Art und Umsetzung zum Nachdenken einladen, zu Diskussionen mit Freunden und Partner, zum Grübeln über das „Was wäre wenn“. Das hat dieser Film geschafft – er hat mich mitgenommen und zum Nachdenken gebracht. Und das nicht nur für kurze Zeit.

Rock Duer in We need to talk about Kevin
Szenenbild: Fugu Filmverleih

Fazit:

Fesselndes Portrait einer Mutter-Sohn-Beziehung

Alle meine Filmkritiken findest du hier

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