Interview mit C.M. Singer

Posted: 07/21/2012

Wie eine kleine Welle überschwemmt derzeit die Fantasy-Romance-Trilogie „…und der Preis ist dein Leben“ von C.M. Singer die Bloggerwelt. Auch ich war sehr angetan davon und hab der Autorin eine Interviewanfrage gestellt – und hier ist es nun für euch: 
 
Hallo Claudia,
 
schön, dass ich dich hier willkommen heißen darf. Deine Trilogie „…und der Preis ist dein Leben“ hat für den Roman eines kleinen Verlages ziemlich viel Rummel gemacht und man findet ihn auf einigen Blogs wieder. Auch ich war begeistert und so stellten sich mir einige Fragen – schön, dass ich sie dir nun stellen darf!
Das Wichtigste zuerst: wer bist DU?
 
Mein Name ist Claudia und ich bin ein echtes Münchner Kindl. Meine Bayerische Gossch´n kann ich allerdings meistens im Zaum halten, nur das rollende „R“ wird mich wohl immer verraten. Ich wohne in einem kleinen Münchner Vorort bei zwei Katzendamen zur Untermiete und reise für mein Leben gerne. Fernweh ist bei mir sozusagen ein fest eingebautes Feature und ich träume von einem Cottage in Cornwall, wo ich meine zukünftigen Bestseller schreiben werde.
 
Schön, eine Landsmännin (im entferntesten Sinne) hier zu haben.
Wie kommt denn eine Vielreisende zum Schreiben?
 
Wäre es nicht toll, wenn ich jetzt eine Anekdote parat hätte, in der ich eine Schlüsselszene geträumt und dann aufgeschrieben habe, beziehungsweise eine plötzliche, musengeküsste Eingebung hatte? Oder dass ich schon seit der ersten Klasse Geschichten schreibe? Damit kann ich leider nicht dienen 😉
Beruflich gehört Schreiben seit über 10 Jahren zu meinem täglich Brot, allerdings bezieht sich das nur Fachtexte. Schreiben als Hobby habe ich erst vor etwa 3,5 Jahren für mich entdeckt. Damals war ich Mitglied einer Paranormal-Romance Gruppe auf Goodreads. Ein paar der Mädels dort haben geschrieben, und irgendwann kam man auf die Idee, einen Schreibwettbewerb zu veranstalten, an dem ich auch teilnehmen wollte. Der Plot, der sich langsam in meinem Kopf zusammenbraute, hat sich allerdings geweigert, in eine Kurzgeschichte gepresst zu werden. Und auch die Charaktere haben lautstark nach mehr Raum geschrien. So hat sich aus der Kurzgeschichte mein Roman „…und der Preis ist dein Leben“ entwickelt. Dass es am Ende sogar für eine Trilogie reichen würde, kam auch für mich sehr überraschend!
 
Naja, immer was parat zu haben, ist auch langweilig.
Wie ich sehe, warst du da schon paranormal angehaucht. 
Aber wie genau bist du dann auf das Thema bei Liz und Danny gekommen?
 
Für Paranormales und Okkultes interessiere ich mich seit meiner Jugend. Außerdem gehören Urban Fantasy und Paranormal Romance zu meinen Lieblingsgenres bei Büchern und Filmen. Liebesgeschichten mit Geistern haben es mir dabei besonders angetan. Also wollte ich für den Wettbewerb eine nette kleine Geistergeschichte schreiben. Die Grundidee war ein Pokerspiel mit geisterhafter Unterstützung. Doch je weiter sich der Plot und die Charaktere entfalten, desto mehr meiner persönlichen Interessengebiete sind wie selbstverständlich in die Story mit eingeflossen. Am Ende hat sich alles wie ein komplexes „Claudia-Puzzle“ zusammengefügt.
 
Filme wie „Ghost – Nachricht von Sam“? Daran musste ich nämlich sofort denken, als ich die Buchbeschreibung las.
 
Ja, Ghost gehört tatsächlich zu meinen Lieblingsfilmen und ich habe ihn teilweise unbewusst, teilweise aber auch ganz gezielt zitiert. Die Grundidee ist sicher ähnlich, aber daraus entwickelt sich etwas völlig Neues. Außerdem wollte ich ein paar Dinge, die ich bei Ghost nicht ganz gelungen fand, schlüssiger gestalten. Warum kann Sam zum Beispiel Dinge bewegen, ja sogar Messer schwingen, aber Molly berühren kann er nicht?
 
Das Thema hast du sehr komplex aufgebaut – hast du dich dafür dann noch intensiver mit dem Paranormalen beschäftigt?
 
Wie gesagt, für dieses Thema interessiere ich mich schon sehr lange. Aber manche Aspekte, wie zum Beispiel Wicca-Magie und Ouija-Bretter, habe ich erst für den Roman näher recherchiert. Unter anderem habe ich auch mit einer praktizierenden Wicca-Hexe gesprochen und mir von ihr einige Ideen geholt.
 
Eine echte Hexe? Glaubst du denn an so etwas?
 
Holt jemand die Herren mit den weißen Turnschuhen, wenn ich Ja sage?
Also ich glaube tatsächlich an Übernatürliches, allerdings mit Einschränkungen. Ich muss dazu sagen, dass mein Sternzeichen Jungfrau (logisch, kopfgesteuert) und mein Aszendent Skorpion (emotional, mystisch, bauchgesteuert) ist, und die beiden im Dauerklinsch miteinander liegen. Die Jungfrau sagt: ich glaube nur, was sich beweisen lässt, während der Skorpion darauf beharrt, dass da mehr ist, als wir zu wissen glauben. Seit einiger Zeit scheint der Skorpion die Jungfrau allerdings in den Keller gesperrt zu haben…
Außerdem habe ich selbst einige Erfahrungen gemacht, die man nicht so einfach erklären kann. Und neuerdings höre ich sogar noch mehr „wahre Geschichten“, denn zahlreiche Leute berichten mir von ihren eigenen paranormalen Erlebnissen, sobald sie erfahren, worüber ich schreibe. Sie öffnen sich und erzählen mir die verblüffendsten und vor allem absolut glaubhafte Storys. Das ist wirklich toll und spannend!
 
Ich bin da ja vornehmlich skeptisch. Sehr auf den Boden geblieben. Ich glaube da eher an Aliens als an Geister (jaaa, wir sind nicht alleine!). Daher würde ich Beweise fordern. Gibt es die bei manchen Begebenheiten?
 
Also Fotos, Videos oder Tonbandaufnahmen kann ich jetzt leider nicht präsentieren Und wenn es die gäbe, würde ich das Ereignis vermutlich schon wieder als Fake abtun. Bei einigen Geschichten – auch meinen eigenen – gibt es allerdings Zeugen.
Eine Geschichte ist für mich persönlich dann glaubwürdig, wenn der Erzähler ein kritischer Mensch ist, der mit beiden Beinen im Leben steht und selbst nicht so recht fassen kann, was ihm da passiert ist. Wenn jemand zu schnell bereit ist, das Übernatürliche als Erklärung heranzuziehen, kommen bei mir Zweifel auf.
 
Okay, sowas macht dann auch mich neugierig. Man glaubt es wohl erst, wenn man es selbst erlebt hat.
Aber deine Geschichte bietet nicht nur Fantasy und Okkultes, sondern auch Romantik.
Bist du denn selbst auch ein romantischer Mensch? Oder musstest du dir alles mühsam heraussaugen?
 
Ja, es lässt sich nicht leugnen, dass in mir eine hoffnungslose Romantikerin steckt, die noch immer an die wahre Liebe glaubt (Spätestens jetzt kommen die Herren mit den weißen Turnschuhen, oder?)
 
Aha – dachte ich’s mir doch. Sowas kann man sich wohl nur schwer ausmalen, wenn man nicht romantisch ist. 
Die Herren lassen wir aber weg, man braucht auch Hoffnungen im Leben. 😉
Würdest du denn mit Elizabeth tauschen wollen? Immerhin hat sie ihre große Liebe getroffen. Oder hattest du während des Schreibens mehr Mitleid mit ihr?
 
Liz hat ihre große Liebe gefunden, und etwas, woran sie glaubt und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Darum beneide ich sie schon ein wenig, auch wenn sie dafür natürlich einiges durchmachen muss. Aber solange Hartnäckigkeit, Mut und Leidenschaft am Ende belohnt werden, finde ich, geht das schon in Ordnung 😉
 
Du hast Liz aber auch einiges leiden lassen. Denkst du, dass Liebe immer auch ein bisschen mit Leid verbunden ist?
 
Also ich denke, in der Literatur gehören Liebe und Leid fest zusammen. Ich sage immer, ein Happy End muss verdient sein. Im wahren Leben würde ich nicht so weit gehen, und von Leid sprechen, aber durchaus von Drama. Liebe ohne eine Priese Drama wird doch auf Dauer langweilig, oder?
 
Manche können nicht ohne, bei anderen darf es auch ein bisschen weniger sein.
Wie geht’s weiter mit dir? Hast du noch mehr (romantische) Ideen wie Liz und Danny?
 
Mit Liz und Danny bin ich noch nicht fertig. Im Moment arbeite ich an der Fortsetzung. Arbeitstitel: „…und der Preis ist deine Seele“. Danach ist die Reihe endgültig abgeschlossen. Was dann kommt, wird sich zeigen, aber ich liebäugel mit dem Thema Zeitreisen.
 
Das heißt, wir dürfen gespannt sein, wie es mit Liz und Danny weitergeht – bei dem Ende hätte ich ja keine Fortsetzung erwartet, aber es freut mich. Ich hab die Charaktere ins Herz geschlossen.
Was mich aber noch brennend interessiert: wie bist du an den Verlag gekommen? Ist ja heutzutage nicht ganz so leicht.
 
Als ich mit dem Schreiben anfing, habe ich das nur für mich getan. Es war mein kleines, geheimes Hobby. Irgendwann habe ich mich getraut, mein Geschreibsel auch Freunden und Familie, und schließlich sogar gänzlich fremden zu zeigen. Die Reaktionen waren allesamt sehr positiv und gaben mir den Mut, mich auf Verlagssuche zu begeben. Natürlich habe ich das Manuskript zunächst den einschlägig bekannten Verlagen angeboten, von denen viele gar nicht, und die meisten mit einer nichtssagenden Standardabsage geantwortet haben. Danach wurden die angeschriebenen Verlage immer kleiner und die Absagen immer konkreter. Einige Verlage haben mir geantwortet, dass ihnen das Konzept und der Stil zwar gefallen, das Manuskript mit ca. 800 Seiten für ein Erstlingswerk aber VIEL zu umfangreich wäre. Ein anderer Verlag meinte, dass man dort nicht daran glaube würde, dass ein Geist zum romantischen Helden taugt und einem weiteren Verlag war der Fantasy-Aspekt nicht ausgeprägt genug.
AAVAA war der erste Verlag, der auf die Idee kam, aus dem Manuskript drei Bände zu machen und mir einen Vertrag anbot. Also habe ich die Chance ergriffen, und mit diesem vergleichsweise kleinem Verlag meine ersten Schritte in die große, weite, mit Schlingpflanzen überwucherte, Welt der Literatur unternommen.
 
Relativ erfolgreich, wie man sieht.
Warum bist du nach den vielen Absagen denn nicht wie viele andere zum Selbstpublizieren übergegangen? Was hätlst du überhaupt davon?
 
Ehrlich gesagt war ich kurz davor, diesen Weg einzuschlagen, bevor das Angebot von AAVAA kam. Und danach habe ich noch lange hin und her überlegt, ob ich nicht trotzdem lieber selbst veröffentliche. Schließlich habe ich für mich entschieden , dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Verlagsveröffentlichung noch die bessere Alternative ist, obwohl die Zukunft für Selfpublisher sicherlich rosig aussieht. Daran glaube ich. Doch ich denke, im Moment muss sich der deutsche Indie-Markt erst noch finden. Es herrscht auf diesem Gebiet eine Menge Unruhe und viele Leser haben noch mehr Vertrauen in von Verlagen verlegte Bücher. Ich bin mir sicher, das wird sich mit der Zeit ändern, und es gibt ja schon eine Menge beeindruckender Erfolgsgeschichten – auch von deutschen Autoren. Für zukünftige Veröffentlichungen wird das für mich also auf jeden Fall wieder ein Thema werden.
 
Nun gut, es hat Vor- und Nachteile, wenn jeder alles veröffentlichen kann. Das muss sich noch weiter entwickeln, denn auch ich war anfangs extrem skeptisch. Und bin es teils immer noch.
Was denkst du, ist das Wichtigste als „kleiner“ Autor? Was würdest du anderen raten?
 
Geduld zu haben, an sich und seine Story zu glauben, dankbar für jeden Rat zu sein, aber sich ja nichts einreden lassen. Und am Wichtigsten: Dran bleiben, weiter schreiben, besser werden!
 
Schreibst du denn mitttlerweile hauptberuflich oder ist das Schreiben Hobby?
 
Im Moment bin ich noch nebenberufliche Autorin. Hauptberuflich bin ich im Marketingbereich tätig. Aber wie viele, viele andere Jungautoren auch träume ich davon, irgendwann meine Miete durch das Schreiben bestreiten und mich nur noch darauf konzentrieren zu können.

Dabei wünsch ich dir natürlich viel Erfolg!
Bei der Recherche hab ich gelesen, dass du nie Bücher aus dem Genre Thriller etc. schreiben würdest. Warum nicht? Liest du solche Bücher dann auch nicht?
 
Einen Thriller könnte ich vielleicht schon schreiben, aber keinen Psychothriller. Mich schreckt der Gedanke ab, in der kranken Psyche eines Serienkillers herumwühlen zu müssen.
Mein persönliches Jagdrevier ist zwar Urban Fantasy/Paranormal Romance, aber hin und wieder mache ich auch Ausflüge in andere Genres, unter anderem auch Thriller. Ich liebe zum Beispiel die Bücher von Lincoln Child/Douglas Preston. Um skandinavische Psychothriller mache ich allerdings einen großen Bogen.
 
Ha, willkommen im Club. Ich kann mit den skandinavischen auch nichts anfangen – weder Bücher noch Filme. Die Ausnahme bestätigt allerdings die Regel: die Milleniumreihe.
Nun zur letzten Frage: Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
 
Ich würde mich freuen, wenn Liz und Danny noch viele geneigte Leser auf ihre Reise mitnehmen und unterhaltsame Lesestunden bescheren. Und wie gesagt träume ich davon, irgendwann von der nebenberuflichen Autorin zur hauptberuflichen aufzusteigen (siehe oben: Cottage in Cornwall 😉 )
 
Dabei wünsch ich dir von Herzen viel Erfolg und uns noch viele tolle Geschichten um Liz und Danny – und ich bin gespannt, was dir sonst noch im Kopf rumgeht.
 
Danke für dieses „geistreiche“ Interview 🙂
 
 

5 Comments

  • shadownlight 07/21/2012 at 12:46

    danke für das mega tolle interview! liebe gruesse!

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  • Monika 07/21/2012 at 14:30

    Tolles Interview, gefiel mir wirklich sehr gut und die Bücher sind jetzt auch auf meine Wunschliste gewandert 😉

    LG
    Monika
    http://www.suechtignachbuechern.blogspot.de

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  • Clara-Monika 07/21/2012 at 21:47

    Die Personen in C.M.Singers Roman treten so lebendig in Erscheinung, dass es für mich eine helle Freude war, durch alle drei Bände hindurch der Geschichte treu zu bleiben. Jetzt erfahre ich, wieviel Mühe es gekostet hat, diese packend geschriebene Triologie zu veröffentlichen. Eine wichtige Aufforderung, finde ich, für alle Autoren mit Potenzial, ihre Ziele mit ähnlicher Gradlinigkeit zu verfolgen!

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  • Nicole von CINEMA IN MY HEAD 07/22/2012 at 19:20

    Super Interview !!!!

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  • Vaurien 07/26/2012 at 10:58

    Tolles Interview

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