Rezension Dumplin' von Julie Murphy mit Buchcover zwischen Bücherstapeln

Rezension: Dumplin‘ von Julie Murphy

Posted: 04/02/2018

Dumplin‘ von Julie Murphy schwirrt seit einiger Zeit durch die sozialen Netzwerke und als ich sah, worum sich das Buch drehte, musste ich es als „Nicht-Schlanke“ einfach haben und lesen – wie oft schreiben schon Dicke über ihr Leben? Ob es mich überzeugen konnte, lest ihr nun in meiner Rezension:

Inhalt:

Willowdean Dickson ist 16, Dolly Parton-Verehrerin, arbeitet abends in einem Fast-Food-Restaurant – und ist dick. Nicht mollig, nicht kräftig – Will ist fett. Von ihrer Mutter, ehemalige Schönheitskönigin und Organisatorin von diesem jährlichen Ereginis, Dumplin‘ (Teigkloß) genannt, ist sie dennoch zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist eben so, na und? Doch als sich ihr heimlicher Schwarm Bo ebenfalls Gefühle für sie zeigt, beginnt sie mit sich zu hadern. Und entschließt, sich und der Welt zu zeigen, dass es auf die inneren Werte ankommt: Sie nimmt am jährlichen Schönheitswettbewerb teil!

Cover von Dumplin' von Julie Murphy mit dickem Mädchen in rotem Kleid auf schwarzem Hintergrund
Cover: Fischer

Autor: Julie Murphy
Originaltitel: Dumplin‘
Verlag: FJB
Seitenanzahl: 400
Erscheinungsjahr: 2018
Preis: eBook 16,99 € | Hardcover 18,99 €
Genre: Jugend, Liebe, Coming of Age

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Meine Meinung:

Als ich den Klappentext zu diesem Buch gelesen habe, war ich erstmal erstaunt: Keine wunderhübschen Charaktere, die natürlich schlank, allenfalls ein wenig mollig sind. Nein, Dumplin‘ ist aus der Sicht von Willowdean geschrieben, die dick ist. Sie selbst bezeichnet sich als fett und ich glaube ihr mal, auch wenn ich nie ein konkretes Bild von ihr vor Augen bekam, außer eben blond und fett. Schon einmal ein Pluspunkt in meinen Augen: Julie Murphy geht nicht wirklich aufs Äußere ihrer Charaktere ein. Sie definiert sie kurz, so weiß man z.B. das Hannah ziemliche Hasenzähne hat, aber sie hält es einen nicht permanent vors Gesicht. Denn die inneren Werte zählen.

Die inneren Werte im Fokus

Und auf die wird der Fokus gelegt. Willowdean selbst ist z.B. recht sarkastisch, ihre beste Freundin Ellen laut und doch unsicher, Hannah motzig und negativ eingestellt. Jeder Mensch hat seine Eigenarten und auch meist seine Gründe, warum er ist, wie er ist. Und das zu zeigen, ist der Autorin gut gelungen.

Nun ist es mir bei Will mehr als bei den anderen gelungen, mich einzufühlen. Ich habe sie mit ihrer Art schnell in mein Herz geschlossen, weil sie mir gar nicht so unähnlich ist. Wir denken ähnlich. Ich verstand ihre plötzliche Unsicherheit, ihren Willen, es allen zu zeigen und dabei doch Angst vor dem Ergebnis und dem eigenen Mut zu haben. Ihre ambivalenten Gefühle dem Dicksein gegenüber. Und ich bewunderte sie trotzdem, wie sie damit umgeht. Willowdean Dickson ist ein starker Charakter, wie man in selten in Büchern hat: ungewöhnlich, keine reine Heldin, sie hat Ecken und Kanten.

Eine klare Aussage zum Dicksein

Obwohl in Dumplin‘ der Fokus auf den inneren Werten liegt, sagt es doch soviel über das Dicksein aus. Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich kopfnickend dasaß und Will Recht gab. Als dicker Mensch hat man andere Gedanken. z.B. seiner schlanken, besten Freundin gegenüber, eine Storyline, die ich sehr nachvollziehbar und gut beschrieben fand, wenngleich mir zu oberflächlich behandelt. Ebenso denkt man durchaus darüber nach, was andere denken, wenn man mit seinem sportlichen und schlanken Mann um die Ecke biegt, während man selbst das Gegenteil davon ist. Auch wenn es einem eigentlich egal sein sollte …

Dumplin‘ von Julie Murphy verschenkt viel Potenzial

Dabei ging mir die Story aber nicht tief genug. Dicke Menschen werden gehänselt in der Schule und ich denke, gerade in den amerikanischen Schulen, wo viel Wert auf Sportler gelegt wird. Das hat man kaum erlebt. Ein, zwei Spotteleien, eine Auseinandersetzung. Dabei ist gerade in dem Punkt, wo Will sich entscheidet, einem Schönheitswettbewerb beizutreten, soviel Potenzial da. Und doch interessiert es keinen außer ihrer Mutter … Das halte ich für unrealistisch und diese Entwicklung hat mich doch recht enttäuscht. Allgemein ist dieser Contest mehr Mittel zum Zweck – er wird über wenige Seiten abgehandelt, tangiert Wills Leben kaum. Dabei wird im Klappentext versprochen, dass es ihr Ziel ist, es allen zu zeigen.

Das wahre Highlight dieser Geschichte ist die zarte Bande, die Bo und Will knüpfen und ich musste mehr als einmal lächeln, als ich die beiden miteinander erlebt habe. Ein schönes Paar der Bücherwelt.

Dumplin‘ von Julie Murphy punktet mit sehr genauen Gedanken über das Dicksein, mit einer tollen Protagonistin und einer schönen Liebesgeschichte, die dem Leben entspricht, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mir doch mehr erhofft – mehr Tiefgang. Sei es in Ellens und Wills Geschichte oder in Sachen Schönheitswettbewerb und Mobbing. In meinen Augen wurde einiges Potenzial verschenkt, auf das man hätte eingehen sollen.

Fazit:

Echte Protagonistin mit echten Problemen

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